Zum Abschied

Pfarrer Karl Hufnagel
Bildrechte: christuskirche

Vor 41 Jahren kam ich zum ersten Mal nach Bayreuth. Als junger Vikar war ich dem hiesigen Predigerseminar zugewiesen. Noch heute sehe ich mich im Mai 1981 die Bahnhofstraße in Richtung Wilhelminenstraße gehen, nicht ahnend, dass hier auch mein beruflicher Weg zu Ende gehen würde. Für die Schönheit und die reiche Kultur der Stadt hatte ich damals noch keine Augen. Obwohl ich immerhin damals die Villa Wahnfried besichtigte. Interessanter waren für uns Vikare die Gaststätten und hübschen Mädchen an der Kirchenmusikschule. Eigentlich hatte ich immer gedacht, ich würde einmal Landpfarrer und dies auch bleiben. Doch es kam anders. Mein Weg führte mich von Deggendorf nach Weiden; München war dann meine vorletzte Station.

Als ich 1970 in Gunzenhausen, Mittelfranken, konfirmiert wurde, gab mir mein Konfirmator einen Spruch aus dem Kolosserbrief mit. Dort heißt es im 2. Kapitel: „Seid verwurzelt und gegründet in Christus Jesus fest im Glauben, wie ihr gelehrt seid.“ Bis heute hat mich dieser Konfirmationsspruch begleitet, geprägt und ausgerichtet.

Dankbar bin ich für meine Frau Elisabeth. Während des Studiums in Heidelberg haben wir uns kennengelernt. In all unseren Gemeinden hat sie sich mit ihren Gaben eingebracht und meine Arbeit mitgetragen. Sie war und ist mir wertvolle Begleiterin. Ebenso dankbar bin ich für unsere drei Kinder; Katharina, Michael und Martin haben mich immer unterstützt, auch wenn die Stellenwechsel für die Familie nicht einfach waren.

Zwölf Jahre leben wir nun mit der Christuskirchen-Gemeinde zwischen Bahnhof und Festspielhügel. Eine Lage, die wir immer genossen haben, ebenso wie die zahllosen bereichernden Begegnungen rund um die Kirche. Da gab es viele neue Impulse, auch für meinen Glauben. Da gab und gibt es so viel Kreativität und Einsatz für den Bau der Gemeinde. Ich denke dabei an unser Luther-Fest anlässlich des 500jährigen Reformationsjubiläums 2017, an die Renovierung und bewegende Wiedereinweihung des Gotteshauses, an die engagierten Ehrenamtlichen, an die treuen Jugendleiter, an lebendige Gespräche im Bibelkreis, an die vertrauensvolle Zusammenarbeit im Kirchenvorstand, den Einsatz für verfolgte Christen, an die schönen musikalischen Gottesdienste, auch mit Posaunenchor, Band und Kantorei. Geschätzt habe ich stets die Offenheit und das Vertrauen, wenn es darum ging, Neues auszuprobieren und durchzuhalten. Herzlichen Dank dafür! Es war mir eine Freude, in diesen Jahren mit Ihnen allen in der Gemeinde unterwegs zu sein. Ein wenig Wehmut kommt nun an der Schwelle zum Ruhestand schon auf. Wehmut, weil ich immer noch für die Sache Jesu brenne. Es ist, es war mein Leben. Wehmut auch, weil ich manche Gemeindeglieder nicht mehr erreichen konnte. Zudem: Wir Pfarrerinnen und Pfarrer sind eigentlich nicht angetreten, um den Rückbau der Kirche mit zu organisieren. Vielleicht ist die Zeit der Volkskirche in ein paar Jahrzehnten vorüber. Doch die Kraft des Evangeliums wird Menschen weiterhin erfüllen. So dass sie aufbrechen und auf neuen Wegen versuchen, Gemeinde zu bauen. Da bin ich zuversichtlich.

So wünsche ich Ihnen allen auch heute noch einmal „gute Wege“!

Ihr Karl Hufnagel